wovon man leben kann

Mir wird erzählt. Nach Tschernobyl – als es offiziell wurde – hat man gesagt, alle heimischen Lebensmittel seien verseucht. In Kiew wurden in den Familien Vorräte an Kohl und Reis angeschafft. Die durfte man essen, hieß es. Da es stets ungewiss war, was und wann sonst geheißen würde und gegessen werden konnte – auf Vorrat. Mein Vater, damals in Kiew, hat bei Freunden angerufen und berichtet, dass er Kohlköpfe aufgetrieben hat, die man bekanntlich in Strümpfen unter dem Bett lagern soll. Er war nur nicht sicher, ob in normalen oder Nylonstrümpfen.
dortmund

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ICE-Verbindung München-Berlin. Gegenüber kleine zermürbt-gereizte Frau. Zieht stumm die Füße an ihren Sitz, schaut kurz starr und unfreundlich, schlägt ihr Buch wieder auf. Hustet gelegentlich mit der kränklich-verrauchten Stimme einer Trinkerin. Wer weiß. Ihr Handy klingelt.
„Irgendwo in der DDR“, sagt sie in müdem Tonfall.
Später klingelt es noch einmal.
„immer noch irgendwo im Osten.“