Paris

Hier gebar sich die Einheit, wurzelt die Würde des Menschen. Fühlt sich stolz an.
Lebt von ungebetenen Gästen, großen Gesten, weiten Taschen. Schmeißt mit Beleuchtung nur so um sich. Wir haben’s eben.
Nachts können durch die großflächigen Fenster des ehemaligen Bahnhofs bedeutende Kunstwerke bewundert werden. Und nicht nur da. Man präsentiert sich gerne. Auch auf dem Friedhof. Um Morrisons Grab, auf dem sich gerüchtebesagt und wahrscheinlich gerüchtgeblieben Pärchen lieben sollen, sehen alle Steine verheißungsvoll aus.
Friedlich abgetrennt, eine eigene Stadt, mit anderen Schlafenszeiten.
In ein Café setzen und die Leute beobachten, die Atmosphäre genießen, französische Luft schnuppern, wird geraten. es spürt sich schlecht unter Touristen. Bloß an der Theke, der bäuchige Barkeeper mit Schnurrbart beim Löffelpolieren und der Säufer mit Cognac, für seine Sucht teuer bezahlend. Der Rest ist an schöneren Orten. Nur die Clochards sind echt und bleiben. Und Suchende. Seitdreijahrenwitwer zum Essen, Geld ist nicht das Problem – Freundschaft ist es. Geht eben, sogar an der Seine. Verfällt und entstellt sich.
Große Namen gehen massenhaft unter. Waren sicher alle mal da. Muss wo anders gewesen sein.

kunstprojekt

A HREF=”A HREF=”http://www.glebbas.com” TARGET=_BLANK> >G.B. hat ein Atelier in der Cité des Arts Paris. Hier wird täglich an die 300 Mal geschaffen und geübt. Komponiert wird, Duftsonaten gespielt, nächtelang nackte Gestalten und geliebte Gesichter gezeichnet, alles aus dem Kopf. Nur das Singen kommt von oben.
Wein wird getrunken und schön gesessen. Gegen Mitternacht verstummt der Gebäudekomplex. Hier muss streng überwacht werden. Trotzdem wurde einer das Atelier ausgeräumt, während sie sich im Nebenraum befand. Kommt gelegentlich vor.
Bemalte Leinentücher angefangener Bilder sind mit Klebestreifen an den Wänden festgemacht, auf dem Boden ausgedrückte Tuben und Farbflecken. Die Milchglastür steht angelehnt. N. ist herein gekommen, raucht zum Flackern der Kerze und leisem Radiojazz.
Kunst, Photographie und Können.
„ So if somebody goes somewhere, to an exotic place, and makes beautiful pictures with beautiful colours…it is not his! He steals it!”, empört sich der Tel-Aviver in typischer Intonation.
“Everybody can make pictures today. There are millions and millions of pictures.”
“Yeah, that’s true”, sagt G.,”There are so many, we can blow up the world and rebuild it by photographs.”
N. versteht nicht ganz.

paris

öffnet


Tun wir so als gäbe es diese seite schon länger. sagen wir ewig.
tun wir als sei sie nur länger nicht erneuert worden. tun wir als gäbe es mehr zu sagen.
zu viel um erklären zu können. zu wenig um beschreiben zu müssen.
man hinkt mit der zeit und stolpert über technik.
man ist ein verhängnisvolles wort.
sagen wir ich.

wovon man leben kann

Mir wird erzählt. Nach Tschernobyl – als es offiziell wurde – hat man gesagt, alle heimischen Lebensmittel seien verseucht. In Kiew wurden in den Familien Vorräte an Kohl und Reis angeschafft. Die durfte man essen, hieß es. Da es stets ungewiss war, was und wann sonst geheißen würde und gegessen werden konnte – auf Vorrat. Mein Vater, damals in Kiew, hat bei Freunden angerufen und berichtet, dass er Kohlköpfe aufgetrieben hat, die man bekanntlich in Strümpfen unter dem Bett lagern soll. Er war nur nicht sicher, ob in normalen oder Nylonstrümpfen.
dortmund

zugverbunden

ICE-Verbindung München-Berlin. Gegenüber kleine zermürbt-gereizte Frau. Zieht stumm die Füße an ihren Sitz, schaut kurz starr und unfreundlich, schlägt ihr Buch wieder auf. Hustet gelegentlich mit der kränklich-verrauchten Stimme einer Trinkerin. Wer weiß. Ihr Handy klingelt.
„Irgendwo in der DDR“, sagt sie in müdem Tonfall.
Später klingelt es noch einmal.
„immer noch irgendwo im Osten.“

lässt zu wünschen übrig

im innenhof hält sie uns an. mit zetteln, zum draufschreiben, was uns nicht gefällt, also was für zustände, all so was. unter was für zuständen es uns nicht gefällt. weil sie wollen nach bonn gehen, oder frankfurt, in eine große stadt, im namen der studenten und demonstrieren und protestieren, für bessere zustände und gegen die studiengebühren. weil die zustände unannehmbar sind und mit den studiengebühren, das geht nicht. weil sie der meinung sind: „Weil wir der Meinung sind“, sagt sie.
an der zugegebenermaßen heruntergekommenen seminargebäudewand aus der zeit des kollektiven kampfes gegen bildunglücken hängen wunschzettel. direkt vor mir:
„Sichtschutz an den Pissoirs“.
leipzig