ausflug

Coney Island machte schon von der Subway aus einen heruntergekommenen Eindruck. Wir stiegen aus, gingen durch Wälder einst kunterbunter, vergilbter und abgeplätterter Anzeigen. Es war neblig und windig und der allererste Hot Dog Laden von Nathan — des Mannes, der angeblich das Hot Dog Esswettbewerb erfunden hat — verbarg sich vor dem Wetter und mangelnder Kundschaft hinter Rollläden, wie die meisten Buden und Häuschen, wenn sie nicht einfach schon vor Jahren zurück gelassen worden waren. Kürzlich sollen japanische Bauunternehmer den Vergnügungspark zum Wiederaufbau aufgekauft haben.

wir gingen die Holzbretter der Strandpromenade entlang und verloren uns im Nebel. Trotz des Windes und des Nieselregens schlenderten uns andere Spaziergänger entgegen, sichtlich gewöhnt an ihren Weg. Im Gegensatz zu den Taschenformaten Manhattans sind die Hunde Brighton Beachs weniger “zivilisiert” und brauchen Bewegungsraum. Selbstverständlich fragte ich die vorbei gehende ältere Dame mit ihrer kleinen Straßenkötermischung auf russisch nach dem Weg, wir kamen ins Gespärch und es stellte sich heraus, dass wir aus derselben Stadt kommen. Wir erinnerten uns an gemeinsame Orte und sie zeigte sich interessiert am Leben der Immigranten in Deutschland. Hier, sagte sie, respektiere man sie sowjetischen Immigranten nicht gerade, man sähe sie als zweitklassig an, nähme sie nicht für ganz voll und dulde sie lediglich. Dann wies sie uns die Richtung nach Brighton Beach und riet uns bloß nicht in die entgegen gesetzte zu gehen. Da sei das ganze “Negerpack”.
Vor einer Schautafel mit schwarz-weiß Fotos der Coney Island Parade 1937 drückte sie nochmals ihr bedauern darüber aus, dass es heute nicht mehr so aussähe, wie einst. Als schön gekleidete schöne weiße Menschen auf und ab flanierten, und nicht dieses schwarze und lateinamerikanische Gesindel.

Ja.

Unnötig zu sagen, dass diese Frau in der falschen Zeit lebt. Offensichtlich fühlt sie sich bedroht, von Menschen anderer Abstammung. Aber die Bedrohungen unserer Zeit sind andere. Nach und nach erobern sie die Ghettos von einst, breiten sich aus und schrecken nicht von den obskursten Straßen Brooklyns zurück. Geht man heute in Viertel, gezeichnet von einstigen Bandenkriegen, bewaffneten Überfällen und dröhnender Schlachtmusik, trifft man die Gangs hagerer, blasser, verräucherter Individualisten. Die spitzen Schuhe, die alten Nikes, die zerschlissenen Chucks, die Cowboystiefel, die Pantöffelchen, die Röhrenjeans, die Karrottenschnitthosen, die Baggypants, die Leopardenmusterleggins, die Kleidchen und Röckchen der Hipster begegnen uns. Diese Menschen machen Kunst, Musik, Poesie, Tattoos, Klamotten, Möbel. Sie wohnen in kalten Lofts, in feuchten Kellern, in engen Apartments.
Der Zusammenhang, dass auch Höhlenmenschen Kreidezeichnungen hinterlassen haben, lässt sich auch anders interpretierung, als dass diese besonders kreativ gewesen sein mussten.

Durch unbeleuchtete Lastwageneinfahrten, über Fabrikgelände und Plattensiedlungen gehen junge Menschen mit unerschüttertem Glauben an ihre Sonderbarkeit. Sie trotzen einheimischen Kriminellenkreisen, ihren Drogengeschäften und Waffendrohungen, zeigen sich unbeeindruckt von jahrzehntelangen Segregationsbemühungen. Gegen solche Ignoranz jeglicher kultureller Differenzen kommen selbst die härtesten Gängster New Yorks nicht an. Hipster besiedeln Harlem, Williamsburg, Fort Green, Dumbo. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem myspaceadressen um die Ohren fliegen ist hier weitaus höher, als die von Kugeln.

Aus den abgelegendsten Landstrichen Amerikas kriechen sie zusammen, um sich mit gleichgesinnten Nonkonformisten zu organisieren und abzuhängen. Ihre Ablehnung jeglicher Effizienz wird die große Teile der Stadt bald in ein einziges Vokü-Straßenfest verwandelt haben.Trotz aller Kritikfähigkeit merzen sie alternative Lebensweisen in ihrem Umfeld nach und nach aus. Ihre Ansichten dulden keine Akzeptanz.

Andere Immigranten sind schließlich auch nicht toleranter.

Vielleich wird auch bald in Brighton Beach nicht mehr sowjetischer Eklektizismus, sondern Indiemusik ertönen.

new york

bent

Ich könnte ein Theaterstück schreiben.
Eine Tragödie, eventuell ein Musical, das wäre auch drin.
Es würde in Dachau spielen. In der Anfangsszene würden wir – zur Situierung – den Schatten eines Geigers sehen, auf der Kulisse eines Drahtzauns, vor himmelblauem Hintergrund.
Auf der leeren Bühne würden zwei Haufen Schottersteine liegen.
Dann träten drei Männer auf die Bühne. Zwei davon in Häftlingsanzügen, aus heutiger Sicht gestreiften Pyjamas, und einer in einem langen Mantel und Hakenkreuzband und nach hinten gegelten Haaren.
Es wäre ok, wenn die beiden KZ-Häftlinge durchträniert wären und blondierte Haare hätten – das verstärkt die Einbindung des Publikums. Einer sollte nur deutlich kleiner sein als der andere. Auf seinem Oberteil wäre ein gelbes Dreieck angenäht. Auf der Brust des anderen wäre der Davidsstern.
Beide würden zum Zentrum der Bühne marschieren und stramm stehen. Der SS-Kommandant würde gleich loslegen – zur Orientiertung. Wie wir das so aus Vietnamfilmen kennen.
Du, würde er schreien. Ja-wohl-Sir, würde der große zurückbrüllen. Der Kommandant würde ihm befehlen, die Steine von einem zum anderen Haufen zu schleppen, keine Pause zu machen, außer drei Minuten stillstehen, wenn die Sirenen ertönen, den anderen nicht anzuschauen und keinen Unsinn zu machen.
Ja-wohl-Sir, würde der Häftling brüllen. Du, würde der SS-Komandant schreien. Ja-wohl-Sir, würde der kleinere mit den blondierten Haaren krächzen. Dann würde der Kommandant seine Befehle noch einmal wiederholen.

Dann müsste der noch ein paar Mal “Du” und die Häftlinge “Jawohl” brüllen.
Er würde bekräftigen, dass die beiden beaufsichtigt werden. An die Arbeit, würde er brüllen (die Häftlinge: “Ja-Sir”) und von der Bühne gehen.

Die beiden würden jeweils anfangen die Steine von einem Haufen zum anderen zu schleppen und so zu tun, als seien die Schaumstoffrequisiten schwer und hart.
Trotz ausgiebiger Warnungen würden sie natürlich anfangen zu reden.
Der kleine wäre sehr unzufrieden. Er wollte diesen Job gar nicht, denn das einzige Ziel sei es, die beiden verrückt zu machen. Der größere versuchte ihn davon zu überzeugen, dass es der beste Job sei, den man im KZ kriegen kann. Auch abgesehen davon wäre der kleine auf den großen sauer und nach und nach erfahren wir, dass der große nur so tut als sei er Jude, wobei er – wie der Kleine – in Wirklichkeit wegen seiner Homosexualität inhaftiert wurde.
Er wollte diesen Job haben und ihn nicht alleine machen, deswegen hat er sich den kleinen dazuholen lassen.

Sie laufen also hin und her und tun so, als sähen sie sich nicht und unterhalten sich über ihre Baracken, Schlägereien, Selbstmorde, was es morgen zu Essen gibt, was man eben so redet.

Durch ein- und ausschalten der Beleuchtung würde dem Zuschauer deutchlich gemacht, dass die Zeit vergeht.
Nach und nach werden sich die beiden vertrauter. Sie laufen immer noch mit Steinen von Haufen zum Haufen. Dann wird es heiß und die beiden ziehen ihre Hemden aus.
Nun traut sich der Kleine und fragt, ob der andere manchmal “daran” denkt.
Dann ertönt die Sirene und sie müssen drei Minuten lang nebeneinander still stehen.
Die Dramaturgie erfordert nun, dass die drei Minutren nicht bloß drei, sondern ruhig gute zehn Minuten in Echtzeit dauern können.
Die beiden Insassen machen sich gegenseitig Komplimente hinsichtlich ihrer Körper, die sie offensichtlich aus den Augenwinkeln erspannen.
Dann machen sie Liebe. Im übertragenen, also versprachlichtem Sinne.
Wie das eben so geht, als KZ-Häftling, auf einer Theaterbühne.

Nun hat sich also die Dramatik vertrieft und der kleine hat sich in den größeren wirklich verliebt.
Er sagt Dinge wie :”Jetzt weiß ich, sie können mich nicht umbringen, denn ich trage die LIebe zu dir in mir”,
und der größere muss sagen: “Nein, du darfst mich nicht lieben, ich bin ein schrecklicher Mensch, ich liebe niemanden”,
worauf der kleine sagen wird:”Warum leugnest du das? Wir lieben uns doch!”,
und der größere wird dann voller Bitternis bekennen, dass alle, die er liebt wegen ihm umkommen.
Und der kleine wird ihm Vorwürfe machen, dass er nicht mutig genug sei, zu seiner Identität zu stehen und sein Dreieck zu tragen, statt des bloßen Davidssterns.
Und er wird in die Menge hineinrufen:”Was ist daran falsch, dass wir uns lieben?!”, sodass die Menge plötzlich auf diesen Missstand aufmerksam gemacht und nachdenklich wird.

Selbstverständlich tragen die Liebenden immernoch die Steine von Haufen zu Haufen und die Zeit vergeht, bis der Herbst kommt und der kleinere krank wird.
Obwohl der größere versucht keine Gefühle zu zeigen, ist er besorgt.
“Du hast abgenommen”, wird er sagen.
Dann wird er ihm Medikamente und Fisch zum Mittagessen versprechen.
Der kleinere ist nun müde vom KZ und will nach Hause.
Sie sprechen über die Berliner Gesellschaften und Clubs, wo sie früher verkehrt haben. Beide sind gerne an der Spree geschwommen.
Dann kommt der Kommandant und kriegt heraus, dass die beiden sich wohl doch besser kennen, als sie dürften. Zumindest gedanklich.
Und kurz bevor die Zuschauer vor Anspannung platzen, erschießt der SS-Mann den kleineren und der größere muss die Leiche entsorgen.

Alleine gelassen mit dem Toten, nimmt der größere ihn erst einmal auf die Arme, schreit, weint und brüllt:
“Ich liebe dich doch!”
und:
“Was ist daran falsch?”
ins Publikum, das spätestens jetzt zutiefst erschüttert wird.
Dann lässt er ihn zu Boden sinken und schleift ihn mühselig über die ganze Bühne. Als Abschlusgeste zieht der größere die Jacke des kleineren mit dem goldenen Dreieck auf der Brust an – als Bekenntnis – und stürzt sich auf den Drahtzaun.
Der Vorhang fällt.
Das Publikum applaudiert betreten.
Ja, so etwas hätte ich schreiben können.
Tatsächlich wurde so etwas schon geschrieben.
Und das schon in den fünfziger Jahren.
Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

(new school)

new york

ausflug

Coney Island machte schon von der Subway aus einen heruntergekommenen Eindruck. Wir stiegen aus, gingen durch Wälder einst kunterbunter, vergilbter und abgeplätterter Anzeigen. Es war neblig und windig und der allererste Hot Dog Laden von Nathan — des Mannes, der angeblich das Hot Dog Esswettbewerb erfunden hat — verbarg sich vor dem Wetter und mangelnder Kundschaft hinter Rollläden, wie die meisten Buden und Häuschen, wenn sie nicht einfach schon vor Jahren zurück gelassen worden waren. Kürzlich sollen japanische Bauunternehmer den Vergnügungspark zum Wiederaufbau aufgekauft haben.

wir gingen die Holzbretter der Strandpromenade entlang und verloren uns im Nebel. Trotz des Windes und des Nieselregens schlenderten uns andere Spaziergänger entgegen, sichtlich gewöhnt an ihren Weg. Im Gegensatz zu den Taschenformaten Manhattans sind die Hunde Brighton Beachs weniger “zivilisiert” und brauchen Bewegungsraum. Selbstverständlich fragte ich die vorbei gehende ältere Dame mit ihrer kleinen Straßenkötermischung auf russisch nach dem Weg, wir kamen ins Gespärch und es stellte sich heraus, dass wir aus derselben Stadt kommen. Wir erinnerten uns an gemeinsame Orte und sie zeigte sich interessiert am Leben der Immigranten in Deutschland. Hier, sagte sie, respektiere man sie sowjetischen Immigranten nicht gerade, man sähe sie als zweitklassig an, nähme sie nicht für ganz voll und dulde sie lediglich. Dann wies sie uns die Richtung nach Brighton Beach und riet uns bloß nicht in die entgegen gesetzte zu gehen. Da sei das ganze “Negerpack”.
Vor einer Schautafel mit schwarz-weiß Fotos der Coney Island Parade 1937 drückte sie nochmals ihr bedauern darüber aus, dass es heute nicht mehr so aussähe, wie einst. Als schön gekleidete schöne weiße Menschen auf und ab flanierten, und nicht dieses schwarze und lateinamerikanische Gesindel.

Ja.

Unnötig zu sagen, dass diese Frau in der falschen Zeit lebt. Offensichtlich fühlt sie sich bedroht, von Menschen anderer Abstammung. Aber die Bedrohungen unserer Zeit sind andere. Nach und nach erobern sie die Ghettos von einst, breiten sich aus und schrecken nicht von den obskursten Straßen Brooklyns zurück. Geht man heute in Viertel, gezeichnet von einstigen Bandenkriegen, bewaffneten Überfällen und dröhnender Schlachtmusik, trifft man die Gangs hagerer, blasser, verräucherter Individualisten. Die spitzen Schuhe, die alten Nikes, die zerschlissenen Chucks, die Cowboystiefel, die Pantöffelchen, die Röhrenjeans, die Karrottenschnitthosen, die Baggypants, die Leopardenmusterleggins, die Kleidchen und Röckchen der Hipster begegnen uns. Diese Menschen machen Kunst, Musik, Poesie, Tattoos, Klamotten, Möbel. Sie wohnen in kalten Lofts, in feuchten Kellern, in engen Apartments.
Der Zusammenhang, dass auch Höhlenmenschen Kreidezeichnungen hinterlassen haben, lässt sich auch anders interpretierung, als dass diese besonders kreativ gewesen sein mussten.

Durch unbeleuchtete Lastwageneinfahrten, über Fabrikgelände und Plattensiedlungen gehen junge Menschen mit unerschüttertem Glauben an ihre Sonderbarkeit. Sie trotzen einheimischen Kriminellenkreisen, ihren Drogengeschäften und Waffendrohungen, zeigen sich unbeeindruckt von jahrzehntelangen Segregationsbemühungen. Gegen solche Ignoranz jeglicher kultureller Differenzen kommen selbst die härtesten Gängster New Yorks nicht an. Hipster besiedeln Harlem, Williamsburg, Fort Green, Dumbo. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem myspaceadressen um die Ohren fliegen ist hier weitaus höher, als die von Kugeln.

Aus den abgelegendsten Landstrichen Amerikas kriechen sie zusammen, um sich mit gleichgesinnten Nonkonformisten zu organisieren und abzuhängen. Ihre Ablehnung jeglicher Effizienz wird die große Teile der Stadt bald in ein einziges Vokü-Straßenfest verwandelt haben.Trotz aller Kritikfähigkeit merzen sie alternative Lebensweisen in ihrem Umfeld nach und nach aus. Ihre Ansichten dulden keine Akzeptanz.

Andere Immigranten sind schließlich auch nicht toleranter.

Vielleich wird auch bald in Brighton Beach nicht mehr sowjetischer Eklektizismus, sondern Indiemusik ertönen.

bent

Ich könnte ein Theaterstück schreiben.
Eine Tragödie, eventuell ein Musical, das wäre auch drin.
Es würde in Dachau spielen. In der Anfangsszene würden wir – zur Situierung – den Schatten eines Geigers sehen, auf der Kulisse eines Drahtzauns, vor himmelblauem Hintergrund.
Auf der leeren Bühne würden zwei Haufen Schottersteine liegen.
Dann träten drei Männer auf die Bühne. Zwei davon in Häftlingsanzügen, aus heutiger Sicht gestreiften Pyjamas, und einer in einem langen Mantel und Hakenkreuzband und nach hinten gegelten Haaren.
Es wäre ok, wenn die beiden KZ-Häftlinge durchträniert wären und blondierte Haare hätten – das verstärkt die Einbindung des Publikums. Einer sollte nur deutlich kleiner sein als der andere. Auf seinem Oberteil wäre ein gelbes Dreieck angenäht. Auf der Brust des anderen wäre der Davidsstern.
Beide würden zum Zentrum der Bühne marschieren und stramm stehen. Der SS-Kommandant würde gleich loslegen – zur Orientiertung. Wie wir das so aus Vietnamfilmen kennen.
Du, würde er schreien. Ja-wohl-Sir, würde der große zurückbrüllen. Der Kommandant würde ihm befehlen, die Steine von einem zum anderen Haufen zu schleppen, keine Pause zu machen, außer drei Minuten stillstehen, wenn die Sirenen ertönen, den anderen nicht anzuschauen und keinen Unsinn zu machen.
Ja-wohl-Sir, würde der Häftling brüllen. Du, würde der SS-Komandant schreien. Ja-wohl-Sir, würde der kleinere mit den blondierten Haaren krächzen. Dann würde der Kommandant seine Befehle noch einmal wiederholen.

Dann müsste der noch ein paar Mal “Du” und die Häftlinge “Jawohl” brüllen.
Er würde bekräftigen, dass die beiden beaufsichtigt werden. An die Arbeit, würde er brüllen (die Häftlinge: “Ja-Sir”) und von der Bühne gehen.

Die beiden würden jeweils anfangen die Steine von einem Haufen zum anderen zu schleppen und so zu tun, als seien die Schaumstoffrequisiten schwer und hart.
Trotz ausgiebiger Warnungen würden sie natürlich anfangen zu reden.
Der kleine wäre sehr unzufrieden. Er wollte diesen Job gar nicht, denn das einzige Ziel sei es, die beiden verrückt zu machen. Der größere versuchte ihn davon zu überzeugen, dass es der beste Job sei, den man im KZ kriegen kann. Auch abgesehen davon wäre der kleine auf den großen sauer und nach und nach erfahren wir, dass der große nur so tut als sei er Jude, wobei er – wie der Kleine – in Wirklichkeit wegen seiner Homosexualität inhaftiert wurde.
Er wollte diesen Job haben und ihn nicht alleine machen, deswegen hat er sich den kleinen dazuholen lassen.

Sie laufen also hin und her und tun so, als sähen sie sich nicht und unterhalten sich über ihre Baracken, Schlägereien, Selbstmorde, was es morgen zu Essen gibt, was man eben so redet.

Durch ein- und ausschalten der Beleuchtung würde dem Zuschauer deutchlich gemacht, dass die Zeit vergeht.
Nach und nach werden sich die beiden vertrauter. Sie laufen immer noch mit Steinen von Haufen zum Haufen. Dann wird es heiß und die beiden ziehen ihre Hemden aus.
Nun traut sich der Kleine und fragt, ob der andere manchmal “daran” denkt.
Dann ertönt die Sirene und sie müssen drei Minuten lang nebeneinander still stehen.
Die Dramaturgie erfordert nun, dass die drei Minutren nicht bloß drei, sondern ruhig gute zehn Minuten in Echtzeit dauern können.
Die beiden Insassen machen sich gegenseitig Komplimente hinsichtlich ihrer Körper, die sie offensichtlich aus den Augenwinkeln erspannen.
Dann machen sie Liebe. Im übertragenen, also versprachlichtem Sinne.
Wie das eben so geht, als KZ-Häftling, auf einer Theaterbühne.

Nun hat sich also die Dramatik vertrieft und der kleine hat sich in den größeren wirklich verliebt.
Er sagt Dinge wie :”Jetzt weiß ich, sie können mich nicht umbringen, denn ich trage die LIebe zu dir in mir”,
und der größere muss sagen: “Nein, du darfst mich nicht lieben, ich bin ein schrecklicher Mensch, ich liebe niemanden”,
worauf der kleine sagen wird:”Warum leugnest du das? Wir lieben uns doch!”,
und der größere wird dann voller Bitternis bekennen, dass alle, die er liebt wegen ihm umkommen.
Und der kleine wird ihm Vorwürfe machen, dass er nicht mutig genug sei, zu seiner Identität zu stehen und sein Dreieck zu tragen, statt des bloßen Davidssterns.
Und er wird in die Menge hineinrufen:”Was ist daran falsch, dass wir uns lieben?!”, sodass die Menge plötzlich auf diesen Missstand aufmerksam gemacht und nachdenklich wird.

Selbstverständlich tragen die Liebenden immernoch die Steine von Haufen zu Haufen und die Zeit vergeht, bis der Herbst kommt und der kleinere krank wird.
Obwohl der größere versucht keine Gefühle zu zeigen, ist er besorgt.
“Du hast abgenommen”, wird er sagen.
Dann wird er ihm Medikamente und Fisch zum Mittagessen versprechen.
Der kleinere ist nun müde vom KZ und will nach Hause.
Sie sprechen über die Berliner Gesellschaften und Clubs, wo sie früher verkehrt haben. Beide sind gerne an der Spree geschwommen.
Dann kommt der Kommandant und kriegt heraus, dass die beiden sich wohl doch besser kennen, als sie dürften. Zumindest gedanklich.
Und kurz bevor die Zuschauer vor Anspannung platzen, erschießt der SS-Mann den kleineren und der größere muss die Leiche entsorgen.

Alleine gelassen mit dem Toten, nimmt der größere ihn erst einmal auf die Arme, schreit, weint und brüllt:
“Ich liebe dich doch!”
und:
“Was ist daran falsch?”
ins Publikum, das spätestens jetzt zutiefst erschüttert wird.
Dann lässt er ihn zu Boden sinken und schleift ihn mühselig über die ganze Bühne. Als Abschlusgeste zieht der größere die Jacke des kleineren mit dem goldenen Dreieck auf der Brust an – als Bekenntnis – und stürzt sich auf den Drahtzaun.
Der Vorhang fällt.
Das Publikum applaudiert betreten.
Ja, so etwas hätte ich schreiben können.
Tatsächlich wurde so etwas schon geschrieben.
Und das schon in den fünfziger Jahren.
Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

revival

Wie über jedes Leben mit Massenkultstatus ist auch über das von Josef Stalin wenig bekannt. Wie jede Persönlichkeit seines Außmaßes ist auch Stalin nicht wirklich tot.

“Was geschah in dieser verhängnisvollen Nacht des 1. März 1953 tatsächlich?”, schreit der russische TV-Moderator etwas zu hysterisch, um bei seinen Zuschauern noch Spannung zu erzeugen.

Josef Wissarionowitsch wartet die Fortstzung nach der Werbepause nicht ab, unterbricht das “Schalom, Liebe Freunde”-Lied einer Konzertankündigung in Brighton Beach und schaltet auf eine russische Krimiserie.

“Wirst du auf mich hören?”, fragt er und richtet mir seinen Massagestuhl ein. Ich soll mich hineinsetzen. Der vorige sei besser, sein Enkel habe ihn kapputt gemacht, wie alles, was er anfasse.

Steif auf dem Sessel sitzend warte ich das Ende des Massageprogramms ab. Josef Wissarionowitsch spät vorgebeugt in den Ferneher hinein und drückt seine Fingerhantel.
Ein schlechter russischer Schauspieler täuscht betrunkene Verruchtheit vor. Wir erfahren: er macht gerade Business.

“Waren das Drogen?”, fragt mich Josef Wissarionowitsch. “Was er sich da in die Tasche gekippt hat. Sah aus wie Drogen.”
Abgesehen davon, dass ich es ehrlich nicht weiß, schüttle ich vehement den Kopf. Josef Wissarionowitsch ist etwas taub. Trotz voller Lautstärke und des Geräts im Ohr hört er immer diesen Lärm und vertseht schlecht.

Der einstige Schuster ist jetzt Renter. Er würde noch arbeiten, aber nur, wenn man ihn abholt und hinfbringt. Außerhalb von Forest Hills, seines Stadteils in Queens, kennt er sich nicht aus. Wenn sein Enkel am Wochenende zu Besuch kommt, gehen sie zusammen raus – “nach Amerika”, oder “Schopping-Popping”.

Jeden morgen werden die Dschugaschwillis zur Altengymnastik abgeholt. “Kindergarten für Alte”, grummelt Josef Wissarionowitsch.
“Kindergarten für Alte”, blökt seine Frau wenige Tage später in der Küche, während sie sich Sprudelwasser aufkocht. Die kleine, ruhelose Frau mit der Traurigkeit des gesamten weiblichen Geschlechts in den Augen rumort tagelang stöhnend und murmelnd in der Küche, taut Fleischblöcke auf, brät, wischt. Am Freitag früher als sonst — zum Schabbatessen kommen die Kinder. Wie es sich gehört, ist sie die Hüterin des Hauses.
Sie ist nicht Joseph Wissarionowitschs erste Frau, aber darüber wird nicht geredet.

Die Dschugaschwilis sind vor etwa zehn Jahren mithilfe Verwandter in die USA immigriert. Frau Dschugaschwilli wird ganz wehmütig, wenn sie an ihr altes Haus mit Garten denkt. Ein neues Leben in vertrauter Umgebung. Zu ihrer Hochhaussiedlung führt eine Prachtstraße russischer, kaukasischer — vor allem koscherer Geschäfte.

Vor wenigen Wochen bin ich zu den Dschugaschwilis gezogen.
Am Abend meines Einzugs betrat ich erstmals das große, surrende und knarzende Wohnzimmer, das in seiner Tiefe zirpenden Kanarienvögeln verbarg.

Wie es sich für jede Familie aus der ehemaligen Sowjetunion gehört, ist das Wohnzimmer mit einer prunkvollen, schwarz lackierten Schrankvitrine ausgestattet. Böden und Wände sind mit Perserteppichen bedeckt. Über dem Tisch hängt ein kollosal italienisch anmutendes Bild: eine Musikergruppe mit Früchten, Karaffen, Mandolinen und einer Magd im Vordergrund, die von einem Trubadour schalkhaft umfasst wird. Oder so.

“Weißt du wo seine Hand ist?”, fragt mich der Schwiegersohn am Schabbatabend. “Nach dem Essen sag’ ich es dir.”
Ich versuche möglichst höflich Wein, Vodka und Verkupplung mit einem Verwandten abzulehnen.
Die Frauen haben Tee gemacht. Der Jüngste hat Papas Tasse auf seine Hose geleert und quietscht entsetzt zu der russischen Hitparade im Hintergrund.

“Geschieht ihm recht. Schade, dass nicht mehr drin war”, sagt das Familienoberhaupt. Er trägt heute die bestickte Kopfbedeckung seines Bergvolkes.
“Bring ihn weg vom Tisch. Ich hab es satt. immer dasselbe.”
Der Schwiegersohn versucht seinen Nachwuchs zu vertreidigen.
“Nicht seine Schuld…es ist nicht seine Schuld – der Vater ist schuld.”
Wenn es ernst wird, wechselt die Familie die Sprache und wird für die Mehrheit der Weltbevölkerung unverständlich.

“Hier iss. Schäm dich nicht”, befiehlt er mir und deutet auf den Berg Teigtaschen.
“Hier iss”, befiehlt er seiner Frau und deutet auf den Teller vor ihr. Sie weigert sich: “Das ist Ihrer, Sie haben schon davon gegessen”, erklärt sie ihm.

Um halb elf haben sich die Nachkommen nach und nach verabschiedet. Der Abwasch ist gemacht, der Geruch unzählicher Schmorgerichte schwebt wie Nachtnebel über dem Dreizimmerapartment 11P. Josef Wissarionowitsch macht sich bettfertig. Zum ausklingendem Fernseher schlüpft er unter die Decke der Wohnzimmercouch, während seine Frau sich in ihrem Zimmer vergräbt. Josef Wissarionowitsch ist milder geworden, in Amerika. Wie auch sein Vodka.

revival

Wie über jedes Leben mit Massenkultstatus ist auch über das von Josef Stalin wenig bekannt. Wie jede Persönlichkeit seines Außmaßes ist auch Stalin nicht wirklich tot.

“Was geschah in dieser verhängnisvollen Nacht des 1. März 1953 tatsächlich?”, schreit der russische TV-Moderator etwas zu hysterisch, um bei seinen Zuschauern noch Spannung zu erzeugen.

Josef Wissarionowitsch wartet die Fortstzung nach der Werbepause nicht ab, unterbricht das “Schalom, Liebe Freunde”-Lied einer Konzertankündigung in Brighton Beach und schaltet auf eine russische Krimiserie.

“Wirst du auf mich hören?”, fragt er und richtet mir seinen Massagestuhl ein. Ich soll mich hineinsetzen. Der vorige sei besser, sein Enkel habe ihn kapputt gemacht, wie alles, was er anfasse.

Steif auf dem Sessel sitzend warte ich das Ende des Massageprogramms ab. Josef Wissarionowitsch spät vorgebeugt in den Ferneher hinein und drückt seine Fingerhantel.

Ein schlechter russischer Schauspieler täuscht betrunkene Verruchtheit vor. Wir erfahren: er macht gerade Business. 

“Waren das Drogen?”, fragt mich Josef Wissarionowitsch. “Was er sich da in die Tasche gekippt hat. Sah aus wie Drogen.”

Abgesehen davon, dass ich es ehrlich nicht weiß, schüttle ich vehement den Kopf. Josef Wissarionowitsch ist etwas taub. Trotz voller Lautstärke und des Geräts im Ohr hört er immer diesen Lärm und vertseht schlecht. 

Der einstige Schuster ist jetzt Renter. Er würde noch arbeiten, aber nur, wenn man ihn abholt und hinfbringt. Außerhalb von Forest Hills, seines Stadteils in Queens, kennt er sich nicht aus. Wenn sein Enkel am Wochenende zu Besuch kommt, gehen sie zusammen raus – “nach Amerika”, oder “Schopping-Popping”.

Jeden morgen werden die Dschugaschwillis zur Altengymnastik abgeholt. “Kindergarten für Alte”, grummelt Josef Wissarionowitsch.

“Kindergarten für Alte”, blökt seine Frau wenige Tage später in der Küche, während sie sich Sprudelwasser aufkocht. Die kleine, ruhelose Frau mit der Traurigkeit des gesamten weiblichen Geschlechts in den Augen rumort tagelang stöhnend und murmelnd in der Küche, taut Fleischblöcke auf, brät, wischt. Am Freitag früher als sonst — zum Schabbatessen kommen die Kinder. Wie es sich gehört, ist sie die Hüterin des Hauses.

Sie ist nicht Joseph Wissarionowitschs erste Frau, aber darüber wird nicht geredet.

Die Dschugaschwilis sind vor etwa zehn Jahren mithilfe Verwandter in die USA immigriert. Frau Dschugaschwilli wird ganz wehmütig, wenn sie an ihr altes Haus mit Garten denkt. Ein neues Leben in vertrauter Umgebung. Zu ihrer Hochhaussiedlung führt eine Prachtstraße russischer, kaukasischer — vor allem koscherer Geschäfte.

Vor wenigen Wochen bin ich zu den Dschugaschwilis gezogen.

Am Abend meines Einzugs betrat ich erstmals das große, surrende und knarzende Wohnzimmer, das in seiner Tiefe zirpenden Kanarienvögeln verbarg. 

Wie es sich für jede Familie aus der ehemaligen Sowjetunion gehört, ist das Wohnzimmer mit einer prunkvollen, schwarz lackierten Schrankvitrine ausgestattet. Böden und Wände sind mit Perserteppichen bedeckt. Über dem Tisch hängt ein kollosal italienisch anmutendes Bild: eine Musikergruppe mit Früchten, Karaffen, Mandolinen und einer Magd im Vordergrund, die von einem Trubadour schalkhaft umfasst wird. Oder so. 

“Weißt du wo seine Hand ist?”, fragt mich der Schwiegersohn am Schabbatabend. “Nach dem Essen sag’ ich es dir.” 

Ich versuche möglichst höflich Wein, Vodka und Verkupplung mit einem Verwandten abzulehnen. 

Die Frauen haben Tee gemacht. Der Jüngste hat Papas Tasse auf seine Hose geleert und quietscht entsetzt zu der russischen Hitparade im Hintergrund. 

“Geschieht ihm recht. Schade, dass nicht mehr drin war”, sagt das Familienoberhaupt. Er trägt heute die bestickte Kopfbedeckung seines Bergvolkes. 

“Bring ihn weg vom Tisch. Ich hab es satt. immer dasselbe.” 

Der Schwiegersohn versucht seinen Nachwuchs zu vertreidigen. 

“Nicht seine Schuld…es ist nicht seine Schuld – der Vater ist schuld.”

Wenn es ernst wird, wechselt die Familie die Sprache und wird für die Mehrheit der Weltbevölkerung unverständlich.

“Hier iss. Schäm dich nicht”, befiehlt er mir und deutet auf den Berg Teigtaschen. 

“Hier iss”, befiehlt er seiner Frau und deutet auf den Teller vor ihr. Sie weigert sich: “Das ist Ihrer, Sie haben schon davon gegessen”, erklärt sie ihm.

Um halb elf haben sich die Nachkommen nach und nach verabschiedet. Der Abwasch ist gemacht, der Geruch unzählicher Schmorgerichte schwebt wie Nachtnebel über dem Dreizimmerapartment 11P. Josef Wissarionowitsch macht sich bettfertig. Zum ausklingendem Fernseher schlüpft er unter die Decke der Wohnzimmercouch, während seine Frau sich in ihrem Zimmer vergräbt. Josef Wissarionowitsch ist milder geworden, in Amerika. Wie auch sein Vodka.

goodbye blue monday

Ich rechne

die letzten
3 Jahre
8 Umzüge
4 Länder und
22 Mitbewohner,
in etwa
ausgenommen Schlangen, Ratten , Mäuse

nenne es Poesie.

Könnte ich ahnen, was mich erwartet, also micht nicht erwartet?
Als wir am eingefrohrenen Kanal saßen, mit Tee und Honig, in deiner Küche, mit Kuchen und Streifen, auf deinem Balkon, auf dem Fahrrad, im Park, auf der Treppe, wir alle und ich.
Wir sind doch angekommen!
Zu etwa 40 Prozent zumindest und mindestens 50 Prozent der völlig unerfüllbaren Vorhaben haben zu etwa 70 Prozent funktioniert. Nur wir haben uns knapp verpasst. Dieses eine Mal. Die letzte schönste letzte Zeit.
Und ich bleibe dabei – ich hätte lieber Zeit als Geld.
Es kommt doch alles mit der Zeit, sagt man.
Denn all die Zeit hat mich hier alles erwartet, was ich jemals möglicherweise gesucht haben könnte.

“While filling in your boarding card make sure you write in English”

Ach, British A.

Schon als wir uns der Erde von einer anderen Seite näherten, sah alles umfangreicher aus. Schonungslos gradlinig.
Gnadenlos angleichend macht mich Manhattan.
Was das Leben hier einem abzugewoehnen scheint, ist Mitgefühl.
Mitgefühl setzt ein Andere gegenueber dem Wir voraus. Die Identität hier setzt eine ausnahmslose Integration in das Wir voraus – es gibt keine Anderen mehr.
Hier sind wir–alle so.
Die Menschen in Midtowns Cafes sprechen in solch einem selbstverstaendlichen Vertrauen in ihre Individualität. Oder ist es englisch? Oder ist es, dass sie sprechen?

Variety ist das Wort.

Für alle, die woanders anfangen.

Könnte ich ahnen wie es sich him Mittelpunkt lebt? Ich werde es versuchen.

The rumors of me sitting in Central Park have been greatly exaggerated.

nyc

goodbye blue monday

Ich rechne

die letzten
3 Jahre
8 Umzüge
4 Länder und
22 Mitbewohner,
in etwa
ausgenommen Schlangen, Ratten , Mäuse

nenne es Poesie.

Könnte ich ahnen, was mich erwartet, also micht nicht erwartet?
Als wir am eingefrohrenen Kanal saßen, mit Tee und Honig, in deiner Küche, mit Kuchen und Streifen, auf deinem Balkon, auf dem Fahrrad, im Park, auf der Treppe, wir alle und ich.
Wir sind doch angekommen!
Zu etwa 40 Prozent zumindest und mindestens 50 Prozent der völlig unerfüllbaren Vorhaben haben zu etwa 70 Prozent funktioniert. Nur wir haben uns knapp verpasst. Dieses eine Mal. Die letzte schönste letzte Zeit.
Und ich bleibe dabei – ich hätte lieber Zeit als Geld.
Es kommt doch alles mit der Zeit, sagt man.
Denn all die Zeit hat mich hier alles erwartet, was ich jemals möglicherweise gesucht haben könnte.

“While filling in your boarding card make sure you write in English” Ach, British A.

Schon als wir uns der Erde von einer anderen Seite näherten, sah alles umfangreicher aus. Schonungslos gradlinig.
Manhattan macht mich gnadenlos angleichend.
Was das Leben hier einem abzugewoehnen scheint, ist Mitgefühl.
Mitgefühl setzt ein Andere gegenueber dem Wir voraus. Die Identität hier setzt eine ausnahmslose Integration in das Wir voraus – es gibt keine Anderen mehr.
Hier sind wir–alle so.
Die Menschen in Midtowns Cafes sprechen in solch einem selbstverstaendlichen Vertrauen in ihre Individualität. Oder ist es englisch? Oder ist es, dass sie sprechen?

Variety ist das Wort.

Für alle, die woanders anfangen.

Könnte ich ahnen wie es sich him Mittelpunkt lebt? Ich werde es versuchen.

***

so it came to me
just as it comes to the City
uninvited
just as somebody
has to deal
w/ this place.

i wondered
& wandered
simultaneously
just as it comes/goes
btw
just as somebody
has to deal w/ it:

how likely is it
to survive on samples?

***

take out
all this variety.
global gourmet ground.
we’ll never run out
of anything
but time.

floor fifteen fiftyfive fifth avenue
firm as a rock
24/7 deli with
cold-cut selection
of intellectual achievement.

***

and so on.

 

Wir haben kaum über die Zeit der vergangenen Monate gesprochen und wann sie nicht mehr ausgereicht hat um darüber zu reden suchen wir uns neue Themen wie das kommende Jahr oder den nächsten Urlaub und Prioritäten wie Erfolg zum Beispiel.

Wie wird man sagen wir oben genanntes sagen wir durch Umformulierung erfolgreich werde ich oft gefragt aber eigentlich gar nicht. 

Mit Glück würde ich raten geht es um Umformulierung sagen wir man wischt den Boden anderer und nennt es Standortassistenz oder Hygieneadministration oder Besenexekutive. 

Oder Praktikum und fühlt sich geehrt weil man das sollte wenn es danach klingt und das Leben nach dem Lebenslauf ausrichten.

Also Praktikum wir repräsentieren ein Festival und seine Künstler und seine Sektgläser Wasserflaschen Sitzkissen Postertesafilme Brötchenschmieren.

Dazu gehört die Gewissheit so zu sagen das Bewusstsein der essentiellen Wichtigkeit der eigenen Funktion so zu sagen der Tätigkeit so in der Art wie könnte jetzt jemand streiken oder im Stau stehen wenn es heute Abend bei uns doch eine Aufführung gibt mit voller Inbrunst ehrlicher Empörung.

Und auserlesene Worte wie großartig und fesselnd und spektakulär müsste man benutzen das war mein absolutes Highlight und oder eigentlich mag ich Theater gar nicht.

Und ich sollte vermitteln wir tun doch was wir können und arbeiten ohne Unterlaß für das Wohl der Menschheit aber es gibt Vorschriften. 

Und ich könnte sagen dass meine Nase gebrochen ist unspektakulär gegenüber vom neuen Konsum oder auch aus Verzweiflung oder Rührung und Mitleid zu Woyzeck oder du sie mir brachst was besser klingt.

Und ich könnte sagen dass ich jetzt eine Ecke Leipzigs wie meine eigene kenne aber verschweige welche es ist auf jeden Fall nicht die in der ich drei Mützen einen Handschuh ein Mobiltelefon ein Fahrrad und einen elektronischen Transponder mindestens verlor sowie Verstand Verstehen und Verständnis. 

Da sich ein Satz wenn nicht mehr mit der Stadt beschäftigen sollte hat die Stadt hier auf jeden Fall noch was zu suchen wir haben gesät auf dass wir nächsten Frühling Mützen ernten sollen.

Es wäre nicht zu viel über die meiste Zeit der letzten Monate gesagt dass diese aus laufen und Läufen bestand in verschiedene Richtungen und oder auch ohne. 

Es ist gelaufen wie das so läuft auch ohne unsere Einschätzung und zumindest können wir nun von einander sagen was wir vor einander nicht sagen konnten.

Aber wenn zauberhafte Zufälle aufhören zu wundern egal wie unterhaltsam sich darüber unterhalten lässt es zu dem Schluss kommen dass die neue Einstellung endlich doch beginnen sollte jetzt.

and so on.

Wir haben kaum über die Zeit der vergangenen Monate gesprochen und wann sie nicht mehr ausgereicht hat um darüber zu reden suchen wir uns neue Themen wie das kommende Jahr oder den nächsten Urlaub und Prioritäten wie Erfolg zum Beispiel.

Wie wird man sagen wir oben genanntes sagen wir durch Umformulierung erfolgreich werde ich oft gefragt aber eigentlich gar nicht.

Mit Glück würde ich raten geht es um Umformulierung sagen wir man wischt den Boden anderer und nennt es Standortassistenz oder Hygieneadministration oder Besenexekutive.

Oder Praktikum und fühlt sich geehrt weil man das sollte wenn es danach klingt und das Leben nach dem Lebenslauf ausrichten.

Also Praktikum wir repräsentieren ein Festival und seine Künstler und seine Sektgläser Wasserflaschen Sitzkissen Postertesafilme Brötchenschmieren.

Dazu gehört die Gewissheit so zu sagen das Bewusstsein der essentiellen Wichtigkeit der eigenen Funktion so zu sagen der Tätigkeit so in der Art wie könnte jetzt jemand streiken oder im Stau stehen wenn es heute Abend bei uns doch eine Aufführung gibt mit voller Inbrunst ehrlicher Empörung.

Und auserlesene Worte wie großartig und fesselnd und spektakulär müsste man benutzen das war mein absolutes Highlight und oder eigentlich mag ich Theater gar nicht.

Und ich sollte vermitteln wir tun doch was wir können und arbeiten ohne Unterlaß für das Wohl der Menschheit aber es gibt Vorschriften.

Und außerdem sollte ich gegen die Ungleichberechtigung angehen die ungerechterweise weiblich ist und jedem Wort ein IN anhängen oder die rote Karte gegen Sexismus hoch halten die mir ausgeteilt wurde als der Studentenrat den Haushaltsplan verabschiedete und darüber abgestimmt wurde welchem der Gruppen von den man noch nie gehört hatte das Geld gekürzt werden sollte wir müssen schließlich alle sparen.

Und ich könnte sagen dass meine Nase gebrochen ist unspektakulär gegenüber vom neuen Konsum oder auch aus Verzweiflung oder Rührung und Mitleid zu Woyzeck oder du sie mir brachst was besser klingt.

Und ich könnte sagen dass ich jetzt eine Ecke Leipzigs wie meine eigene kenne aber verschweige welche es ist auf jeden Fall nicht die in der ich drei Mützen einen Handschuh ein Mobiltelefon ein Fahrrad und einen elektronischen Transponder mindestens verlor sowie Verstand Verstehen und Verständnis.

Da sich ein Satz wenn nicht mehr mit der Stadt beschäftigen sollte hat die Stadt hier auf jeden Fall noch was zu suchen wir haben gesät auf dass wir nächsten Frühling Mützen ernten sollen.

Es wäre nicht zu viel über die meiste Zeit der letzten Monate gesagt dass diese aus laufen und Läufen bestand in verschiedene Richtungen und oder auch ohne.

Es ist gelaufen wie das so läuft auch ohne unsere Einschätzung und zumindest können wir nun von einander sagen was wir vor einander nicht sagen konnten.

Aber wenn zauberhafte Zufälle aufhören zu wundern egal wie unterhaltsam sich darüber unterhalten lässt es zu dem Schluss kommen dass die neue Einstellung endlich doch beginnen sollte jetzt.

leipzig